Von Feldver-, Kinobe- und Wintergesuchen

(gesendet am 11. November 2009)

Guten Morgen alle miteinander!

Herzlich willkommen zum lange überfälligen Newsletter. In den vergangenen beiden Wochen hatten wir Feldversuche in Sesimbra, was der Grund dafür ist, daß ich mich in dieser Zeitspanne nicht wirklich dem widmen konnte, Euch auf dem Laufenden zu halten. Aber die Versuche sind abgeschlossen und die Nacharbeiten auch, und das ist auch gut so. Ein bißchen was zu den Geschehnissen im Hafen von Sesimbra: Es handelte sich hier um die zweiwöchigen Abschlußtests des GREX-Projekts, in dessen Rahmen in den vergangenen drei Jahren ein System entwickelt wurde, das es ermöglichen soll, Missionen mit Fahrzeugen unterschiedlichster Hersteller auszuführen. Weil naturgemäß vor allem kommerzielle Hersteller, aber auch die universitäre Forschung recht wenig Interesse daran zeigen, ihre Schnittstellen offenzulegen, war es eben das Ziel von GREX, einen Computer mit zugehöriger Software zur Verfügung zu stellen, der einfach in ein beliebiges autonomes Wasserfahrzeug eingebaut werden kann. Die Software soll dann Standardanweisungen von Missionen in die jeweilige Fahrzeugsteuerung übersetzen, so daß keiner mehr seine Schnittstellen offenlegen muß und auch nur noch die betreffende (firmeninterne) Implementierung einer Schnittstelle zwischen dem Fahrzeug und GREX benötigt wird.

Daß das funktioniert, haben wir in den letzten beiden Wochen bewiesen; wir waren mit unseren beiden Katamaranen beteiligt, aus Deutschland kam ein Team von Atlas Elektronik mit einem Unterwasserfahrzeug, und aus Frankreich von Ifremer waren ebenfalls Leute mit einem Unterwasserfahrzeug da. Was wir geschafft haben, ist das Folgen eines vorgegebenen Pfades in Formation, und ganz zum Schluß auch noch die Verfolgung eines Fahrzeugs durch ein anderes. Da hat es sich auch rentiert, daß wir erst nachts um drei nach Hause gekommen sind.

Auch sonst hat sich einiges bei Melli und mir getan. Wir haben uns einen Film im Rahmen der Kino-Kulturtage angeschaut, was ein bißchen ein merkwürdiges Vergnügen war, weil keiner den Vorfilm wirklich verstanden hat, und der Hauptfilm eine doch ziemlich subjektive Weltanschauung vermittelt hat. Was dafür aber umso besser war, das war das Konzert von Mariza vor einer Woche. Dieter war auch mit dabei, und ehrlich gesagt sind wir eher mit gemischten Gefühlen dort hingegangen, eher nach dem Motto, daß wir wenigstens einmal auf einem Fadokonzert gewesen sein müssen, damit wir zumindest mitreden können. In Wahrheit hat sich das Ganze dann aber als hammermäßig gut herausgestellt; das ganze Konzert war einfach umwerfend! Nicht nur vom Gesang her; auch die Musiker waren unglaublich -- besonders der Schlagzeuger hat immer wieder dafür gesorgt, daß uns der Mund offen stehen blieb, nicht, weil er laut gewesen wäre, sondern wegen sehr komplexer Rythmen.

Am vergangenen Wochenende haben wir das indo-italienische Restaurant ums Eck besucht und dort in den Spezialitäten geschwelgt, haben einen Brettspielenachmittag mit Pramod und Naveen eingelegt, waren mit einigen Freunden im Kino und mit Oliver in der besten Pizzaria Lissabons. Ach ja, und gestern gabs einen Stromausfall -- da der ganze Block davon betroffen war, haben auch die Ampeln nicht funktioniert, was für einige spannende Augenblicke gesorgt hat auf meinem Weg zum Institut.

So, ich hoffe, Euch geht's gut, und Ihr seid des aufkommenden Schmerzgefühls aufgrund der zweiwöchigen Pause Herr geworden. Viele liebe Grüße aus dem mit strahlendem Sonnenschein verwöhnten Lissabon, von dem Melli sagt, es bringt die Gefühlswelt durcheinander, weil die Erwartung des einbrechenden Winters mit zwanzig Grad (mittags) konfrontiert wird.

Euer Anderl