Von der Grippe für Schweine und andere Geschichten

(gesendet am 23. September 2009)

So, meine Lieben,

jetzt bin ich wieder aus Brasilien zurück, erschöpft und ohne Gepäck zwar, aber trotzdem glücklich. Eine schöne neue Erfahrung war es für mich, daß am Nachmittag dann auch meine Melli von der Uni zurück kam, und ich nicht allein in der Bude hocken mußte.

Von der Konferenz gibt es nicht viel zu berichten, außer, daß ich mit dem zweiten Platz haarscharf am Best Student Paper Award vorbeigeschrammt bin. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das jetzt an meinem Forschungsinhalt liegt, oder eher an meiner brillianten Präsentation. *grins* Ach ja, und Pramod hatte seinen ersten richtigen Cocktail. Überhaupt ist das Essen dort in Brasilien echt klasse. Was sich auch am Hosenbund zeigt...

Egal. Am Samstag sind wir kurzentschlossen verfrüht nach São Paulo aufgebrochen, um uns dort noch ein bißchen die Stadt anzuschauen. Das fing schon mit dem Pool im Hotel an, der sich im 18. Stock auf der Dachterrasse befand und einen herrlichen Ausblick auf die anderen Wolkenkratzer bot. Wir waren ziemlich viel unterwegs (in unserem Stadtviertel, nicht in den Favelas), zum Beispiel der (angeblich irrsinnig bekannten) Rua Oscar Freire. Auch in São Paulo galt: Das Essen war einwandfrei, und es ging ziemlich auf die Lenden. Allerdings muß ich auch sagen: Diese Stadt mit ihren zehn Millionen Einwohnern ist ein Moloch, und auch wenn sich die Leute Mühe geben, die Stadt sauber zu halten, würde ich es dort nicht lange aushalten, auch wegen den Abgasen.

Aus Portugal gibt es nur zu berichten, daß die H1N1-Paranoia immer schlimmere Ausmaße annimmt. Schon seit ein paar Wochen hängen auf den Toiletten Anleitungen, wie man sich die Hände zu waschen hat, und außerdem wurde der Händetrockenfön mit Papierhandtüchern ergänzt. Zudem zeigen riesige Plakate in Bussen und U-Bahnen, daß man sich beim Niesen die Hand vor den Mund zu halten hat, und wenn jemand anderes hustet, muß man durch seinen eigenen Ärmel atmen, um sich nichts einzufangen. Gar nicht davon zu reden, daß man Papiertaschentücher verwenden soll und Stofftaschentücher tabu sind. Aber das ist schon ein alter Hut; die neueste Masche hier am Institut ist, daß die Klotüren nicht mehr verschlossen werden dürfen, sondern offen bleiben müssen, damit man sich am Türgriff nichts holt (glauben die, ich schleck den ab oder was?), und außerdem haben sie in der Zeit, in der ein paar von uns in Brasilien waren, Spender mit alkoholischen Reinigungsmitteln aufgestellt. Meine Meinung ist mittlerweile die, daß die Schweinegrippe ein von der UNO in Auftrag gegebenes Programm ist, das es den Regierungen der UNO-zugehörigen Länder ermöglicht, die Weltbevölkerung von allem anderen abzulenken. Vermutlich gibt es am Südpol ein riesiges Raumschiff, und in zwei Wochen werden sämtliche Regierungen klamm und heimlich mit allen Gold- und sonstigen wertvollen Vorräten der Welt in der Tasche dieses Raumschiff besteigen und abhauen. Und wenn nächste Woche die Heimatpost nicht erscheinen sollte, ist das die Bestätigung dafür, weil das dann bedeutet, daß ich grad die Wahrheit getroffen hab, mich die UNO-Spitzel aufgespürt haben und ich von den H1N1-Erfindern versklavt und in den Weltraum verschleppt worden bin.

Liebe Grüße an Euch alle in Deutschland Verbliebenen!

Euer Anderl