Aus Brasilien...

(gesendet am 15. September 2009)

Servus Ihr alle,

jetzt hab ich endlich mal Gelegenheit, die Heimatpost an einem Montag wegzuschicken, wann es mir reinpaßt -- obwohl es bei Euch schon Dienstag ist. Ich melde mich heute nämlich aus Guarujá, einem Ort, der etwa 80 Kilometer von São Paulo entfernt gelegen ist, also in Brasilien halt. Und damit Ihr nicht sofort auf falsche Ideen kommt, geb ich jetzt sinngemäß das wieder, was ich heut schon Alessandro und meiner Melli gesagt hab: Erstens arbeite ich nicht viel weniger als sonst auch, zweitens hat es nahezu kontinuierlich Dschungelregen dort draußen (es ist halt wirklich Winter in der südlichen Hemisphäre), und drittens ist Brasilien eine Art Kriegszone.

Nein, im Ernst, es geht hier wirklich heftig zu, Erzählungen zufolge, und ich glaub, im Kosovo hätt ich kaum ein anderes Gefühl als hier. Im Flugzeug, am Flughafen, und auch im Hotel haben sie mir gesagt, ich soll tunlichst meinen Ehering runtertun, wenn ich nicht will, daß man mir den Finger mitsamt dem Ring dran einfach abschneidet, und genau im gleichen Stil gehen die Geschichten weiter. Tja, und dazu kommt, daß ich aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit und der Tatsache, daß ich halt doch schon länger nicht mehr beim Friseur war, mit mehr oder weniger offensichtlichen blonden Locken herumlaufe, was in Verbindung mit den blauen Augen dafür sorgt, daß ich auf der einen Seite offensichtlich zum "Babe Magnet" mutiert bin, auf der anderen mich aber auch zum Primärziel macht. Naja, ums kurz zu sagen, ich fühl mich hier nicht besonders sicher, und ich werd das Hotel nicht übermäßig oft verlassen, und schon gar nicht nachts oder ohne Begleitung. Was an und für sich schon traurig ist, denn hier ist es wunderschön. Nicht nur das 5-Sterne-Hotel, sondern auch der Strand und das Meer und so.

Da ich am Sonntag erst weggeflogen bin, gibt's natürlich von der letzten Woche auch noch ein bisserl was zu erzählen. Wir waren im Kino, haben Oliver besucht, und ich hab Rohrnudeln gemacht, die ersten meines Lebens. Darüber hinaus war heute Studenbeginn für die Melli, und nachdem, was ich von ihr erfahren habe, ist das heute ganz wunderbar verlaufen.

So. Ich bin ziemlich hinüber, und ich muß morgen echt früher aufstehen, weil ich sonst zu nichts komme. Der Regen macht es leicht, nicht die zwanzig Meter über die Straße und an den Strand zu laufen, sondern in der Lobby zu hocken und zu arbeiten. Am Mittwoch beginnt dann die MCMC 2009, die "8th Conference on Maneouvring and Control of Marine Craft", und diesmal hatte ich nicht besonders viel Glück mit meinem Vortragszeitpunkt -- am Freitag am späten Nachmittag ist es so weit, wenn jeder schon total überladen ist, die meisten schon ins Wochenende starten und kaum noch jemand der verbliebenen Anwesenden fit genug ist, um aufzupassen und Fragen zu stellen. Aber man kann nicht alles haben; immerhin bin ich in Brasilien. *grins*

Oiso servus und bis nächste Woche,

Euer Anderl