Von Monterey nach Palo Alto und San Francisco

(gesendet am 3. June 2009)

Guten Morgen zusammen!

Nachdem die letzte Ausgabe der Heimatpost meinem Jetlag zum Opfer fiel, kriegt Ihr heute dafür eine extra-ausführliche Ausgabe zu lesen. Natürlich gibt es in erster Linie von Montery zu berichten. Ich habe dort an der Naval Postgraduate School wirklich enorm viel gelernt; genug, um mir Wochen, wenn nicht gar Monate in meinem Doktorandentum zu sparen. Die Leute dort entwickeln autonome Flugzeuge, kurz UAVs, und in der Entwicklung der Pfadplanungsalgorithmen arbeiten wir sehr eng zusammen. Meine beiden Primäraufgaben waren, viel über die Hardware und die verschiedenen Schritte von der Simulation bis zum funktionierenden Prototypen zu lernen, und natürlich auch, so viel wie möglich von der Optimierung meiner Pfadplanung zu verstehen.

Nebenbei hab ich mir natürlich auch noch Monterey angeschaut, und ein paar visuelle Eindrücke könnt Ihr bekommen, wenn Ihr Euch die Fotos auf meiner Homepage http://www.informagic.org/Modules/Articles/ShowArticle.aspx?ID=40 zu Gemüte führt. Aufgrund der doch langen Fusswegstrecken wäre ich nie weiter als bis zur Fisherman's Wharf und der Cannery Row gekommen (plus ein bisschen des Historic Walk), wenn Vladimir nicht entschieden hätte, dass ich vor meiner Heimreise noch ein bisschen was von Kalifornien sehen sollte -- also haben wir am Freitag mittags schon Feierabend gemacht, und er hat mich ein paar Stunden lang an der Küste entlanggefahren.

Am Samstag ging es dann, dank einer spontanen Umbuchungsaktion, schon wieder zurück nach San Francisco, wo mich Vanessa und Lukas abgeholt haben. Auf dem Weg nach Palo Alto hab ich schon etwas gelernt über die beiden "Stadtteile" von Palo Alto, und ergänzend dazu, aber aufs Universitätsleben beschränkt, gleich dort noch eine Besichtitungstour von Stanford mitgemacht. Anschliessend ging's weiter zu PARC, wo Lukas seinen PhD macht.

Das Silicon Valley ist überhaupt nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Jeder sagt immer, es ist in der Wüste, aber mein erster Eindruck (und nicht nur von dort, sondern von dem ganzen bisschen Kalifornien, was ich so gesehen habe) ist, dass es überall sehr, sehr viel Grün gibt. Von oben betrachtet sieht Palo Alto fast aus wie ein Wald, wo nur vereinzelt die Forschungszentren von Google, Microsoft oder Oracle über die Baumwipfel ragen. Und eigentlich ist sogar das eine Verschwendung von fruchtbarem Anbauland, denn vor der Entstehung von Palo Alto waren dort Orangenplantagen.

Abends ging es dann auf die Abschiedsfeier von Markus, eines deutschen Postdocs, der zufällig dann auch noch in der gleichen Maschine wie ich zurück nach Frankfurt fliegen sollte. Zuvor waren wir drei, also Lukas, Vanessa und ich, am Sonntag noch in San Francisco, wo wir uns solche Sehenswürdigkeiten wie die Lombard Street, den Coit Tower oder die dortige Fisherman's Wharf zu Gemüte geführt haben. Natürlich durfte auch die Golden Gate Bridge nicht fehlen, die wir per Fahrrad in Richtung Sausalito überquert haben. Kaum in Sausalito angekommen, war auch das Wetter wieder angenehm -- welches im Übrigen wirklich ein Phänomen war. In Monterey war es bewölkt bei ungefähr 17 bis 20 Grad, in Palo Alto hatte es angenehme 25, und in San Francisco 10 Grad.

Ein anderer allgemeiner Eindruck: Die Autos waren in Monterey am Grössten. Was dort als Pickup herumfährt, würde bei uns nicht auf die Strassen passen. Doch die Grösse schlägt sich auch anderswo nieder, im Essen nämlich. Coke bis zum Umfallen, Eisbecher mit einem halben Liter Fassungs- und auch Füllvermögen, und stapelweise Burger. Mein Lieblingsburger: Der Double-Double von In'N'Out, und zwar "Protein Style". Das bedeutet soviel wie: Doppelt so viel Fleisch, und dafür die Semmel weglassen und den Stapel aus Fleisch, Salat, Tomaten und so weiter in ein grosses Salatblatt wickeln. Damit bleibt das Gewissen ruhig, weil die Kohlenhydrate der Semmelhälften fehlen. *grins*

Tja, und dann ging es zurück, und mein Gepäck war auf dem Rückweg auch mit mir da. In Monterey ist es nämlich erst fünfeinhalb Tage nach dem Einchecken angekommen; im Grunde genommen hab ich einen Haufen frische Wäsche mit nach Hause genommen. Am Dienstag war dann auch noch das letzte Konzert der Saison von der Reunion Big Jazz Band, zu dem ich von Deepesh und Mernout begleitet wurde. Und dank der fehlenden neun Stunden war es auch kein Problem, so lange wach zu bleiben. So richtig dabröselt hat es mich dann erst am Mittwoch.

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten; in knapp eineinhalb Wochen geht es für gaaaaanz lange zurück nach Oberbayern, und vorher muss ich noch ein Paper schreiben und zusehen, endlich als PhD-Student durchzugehen am IST. Gerade bin ich in Sesimbra auf dem Schiff; wir werden nach dem Mittagessen eine Versuchsreihe mit den Micro-Modems beginnen (und hoffentlich früh fertig werden, denn sobald der Motor läuft bin ich nicht mehr in der Lage, am Computer was zu machen, weils mir schlagartig schlecht wird, und ich deswegen erst weitermachen kann, wenn ich wieder zurück in Lissabon bin) für ein neues Projekt. Ich hab keine Ahnung, ob ich darüber schon schreiben darf, also lass ich es jetzt lieber.

So, Leute: Ich wünsch Euch allen eine schöne restliche Woche, die ja bei Euch eh erst am Dienstag begonnen hat. Und ich meld mich nächste Woche wieder pünktlich bei Euch. :-)

Liebe Grüsse von Bord der Cipreia Mergulho, die gerade in Sesimbra vor Anker liegt.

Euer Anderl