A minha semana

(gesendet am 15. October 2007)

Olá,

aiso ich weiß jetz ned, wie's Euch so geht, aber bei mir ist jede Woche mehr los als die vorherige. Obwohl das jetzt schwer zu toppen sein wird... Naja, ich erzähl einfach mal.

Also am Montagabend bin ich, wie ja bereits angekündigt, umgezogen und seitdem von der Seite her schonmal total glücklich. Ich sag Euch, das ist schon super, abends die Wohnungstür aufzuschließen und sich wirklich darüber zu freuen, daß man daheim ist! Allerdings glaub ich, ein paar Ameisen eingeschleppt zu haben, und das ist mir ziemlich peinlich, weil die Leut nämlich supernett sind. Die haben nur den Nachteil, daß sie soooooooooo froh sind, jemanden zu haben, mit dem sie ihr Englisch üben können. Ja, und ich steh da wie doof und kassier immer Anschiß von meiner Sprachlehrerin, weil ich zu wenig rede. Also in Portugiesisch mein ich; abgesehen davon ist das irre leicht, sich mit den Leuten hier festzuratschen. Das hab ich heut nachmittag auch wieder gemerkt, als ich mir das Certificado de Registo de Cidadão da União Europeia geholt hab. Ja, jetzt bin ich ein Lissaboner! *grins*

Ah, aber was ich eigentlich davon sagen wollte, ist, daß ich mit dem netten Menschen am Schalter echt über alles Mögliche geratscht hab.

Letzten Dienstag hab ich die erste Pokernacht meines Lebens erlebt und den Tisch als zweiter Verlierer verlassen. Kann passieren, tät ich sagen, und die Quote ist doch nicht schlecht, oder? Am Freitagabend war ich wieder zweiter Verlierer, was aber schon schmerzhafter war, weil ich dabei fünf Euro verloren hab. Aber das war mein Limit, und jetzt ist wieder für eine Zeit Ruhe. Allerdings ist das schon auch was Feines, mit den Leuten zusammenzusitzen bei Karten und Johannisbeerbier...

OK, am Mittwoch war das Treffen der "Männer unter sich" von der Kirchengemeinde, aber über alles, was da vor sich geht, wurde strengstes Stillschweigen vereinbart. *grins* Ist aber schon witzig, wenn die anderen Leute hören, daß man da jetzt auch dabei ist, und dann die Gerüchteküche hochbrodelt.

Der Donnerstag war dann dem Einkauf gewidment (jedenfalls am Abend; hey, also Ihr dürft mir ruhig glauben, daß auch noch ein bißchen gearbeitet wird hier!), wohingegen, wie schon gesagt, am Freitag das Pokerspiel war. Das Tolle an den Lissaboner Nächten ist, daß man frühestens um zehn, lieber noch um elf oder zwölf erst furtgeht, und deswegen war ich ziemlich hin am Samstag, wo ich um zwanzig nach acht in der Früh schon wieder am Torre Norte vom IST sein mußte. Der Grund: Kanufahren auf dem Tejo. Aber es war die Sache wert; ich hab einen irre tollen Tag gehabt, an dessen Ende ich wegen diverser Wasserschlachten zwar klatschnaß aber total glücklich aus dem Kanu gekraxelt bin. Einen Zwischenstop haben wir eingelegt und die Burg besichtigt, die auf der nur per Boot erreichbaren Insel steht, die die Leute von Google netterweise auch fotografiert haben (http://maps.google.de/maps?f=q&hl=de&geocode=&q=lisboa&ie=UTF8&ll=39.498759,-7.863293&spn=0.012203,0.019784&t=h&z=16&om=1). Hinterher gab's dann noch ein Essen. Ein portugiesisches Essen, muß ich betonen: Wahre Berge von Fleisch und Nachschlag bis zum Abwinken. Jeder, der mich kennt, kann sich jetzt vorstellen, daß ich hinterher drauf und dran war, heimzukugeln.

Der Sonntag war dann notgedrungen etwas entspannter, weil ich jetzt schon seit sechs Wochen nicht mehr im Fitneßstudio war und deswegen jeden Rückenmuskel gespürt hab vom Rudern.

Ach ja, im Laufe dieser Woche geht's nach Sesimbra, wo einer unserer Roboter einem erlauchten Kreis europäischer Archäologen vorgeführt werden wird. Sesimbra ist südlich von Portugal, allerdings nicht ganz die 130 Kilometer, die wir am Samstag Richtung Norden zurückgelegt haben. Dann wär's nämlich an der Algarve. Allerdings zeigen die Satellitenfotos von Google Maps auch schon ganz schön tolle Sandstrände...

Der Gerechtigkeit halber muß ich aber sagen, daß die Leute hier den Oktober wenigstens mental supergut drauf haben. Was ich hier Leut seh mit Schals und Pullis ist zum Wiehern. Teilweise sieht man sogar Leute (bevorzugt ältere Damen), die Strickhandschuhe anhaben. Ja gut, hör ich Euch sagen, was ist da dran schon Besonderes? Naja, das halt, daß es nach wie vor 21 Grad hat und jedenfalls ich immer noch in der kurzen Hose rumlauf. Ganz bacha san de fei aa ned da herunt... ;-)

Adéus (= Hawedere für die, die südlich von der Donau daheim sind),

Euer Anderl