Goldketten und Halsweh: Ein Bericht aus Lissabon und München

(gesendet am 11. February 2009)

Guten Abend, Ihr alle!

 

Diesmal kommt die Post verspätet, aber mit gutem Grund: Ich war mal wieder in Bayern auf Besuch. Weil das doch einige interessiert, kommt hier auch gleich die neueste Taxi-Info. Die frühmorgendliche Fahrt am Freitag war nämlich ein neuer Rekord. Auf dem Tacho stand der Zeiger auf 80 km/h, bevor ich die Augen zugezwickt habe. Der Ausgleich war aber die Fahrt gestern nacht, die deshalb erwähnenswert ist, weil ich von einer netten alten Dame mit grauem Pferdeschwanz nach Hause kutschiert wurde. Im Gegensatz zu Freitag früh war die Fahrt entspannt, äußerst vorsichtig, und erstaunlicherweise auch noch einen Euro billiger. Gut, sie hat ihr GPS nicht zum Laufen gekriegt, und ich mußte ihr sagen, wie sie fahren sollte, aber dafür war sie auch freundlicher als der Fahrer am Freitag. :-)

 

Was ich mir von der Heimat mitgebracht habe, ist außer einem netten Halsweh auch noch die zweite Hälfte der Einzelteile von Mellis Elektrogrill. Ab März wird dann bei uns gegrillt. Und ich hab diesmal die Gelegenheit genutzt, um meine Trompete zu putzen. Ob sie wieder läuft wie geschmiert, werd ich dann heut abend feststellen, denn die Bigband-Proben haben endlich wieder begonnen. Mit den Semmeln mit Sauerkraut und dem Salbei von meiner Mama und dem Honig von Mellis Eltern wird auch das Halsweh bald wieder aufhören, so daß ich dann morgen vielleicht auch wieder ins Fitneß gehen kann. Nur mit dem Abnehmen klappt's dabei nicht so ganz...

 

Mit meinen Portugiesischkenntnissen konnte ich jetzt übrigens auch mal wieder trumpfen. Schon fast selbstverständlich war die Situation letzten Donnerstag, als ich an der Metrohaltestelle auf Nico gewartet habe, einem Freund und Kollegen von der TU München, der grade auf einer Konferenz in Lissabon war. Dort hat mich nämlich mal wieder einer der "Straßenhändler", wie ich sie mal nennen möchte, angesprochen, und ich war endlich mal in der Lage, fast schon souverän abzulehnen. Erstaunlich war allein die Tatsache, daß er mir kein "haxix" verkaufen wollte (portugiesisch für Hasch), sondern Goldschmuck für meine Freundin, damit er sich Kokain besorgen konnte. Der gute Mann hat mir sogar erklärt, daß er nicht zum richtigen Händler gehen kann, um das Glitzerzeug zu verschachern; ich frag mich, warum.

 

Das Beste ist, daß ich in Neumarkt mit meinem Portugiesisch trumpfen konnte. Wir haben eine Latinobar ausprobiert, die halt tatsächlich nicht nur brasilianisch aussieht, sondern auch von einer Brasilianerin geführt wird. Die hat schon gestrahlt, als ich mich nach dem Bestellen der Cocktails auf Portugiesisch mit ihr unterhalten habe. :-)

 

Wie gesagt: Schön wars. Ich fürchte, die nächste Heimatpost fällt magerer aus, weil ich das Wochenende mit Lernen für eine Prüfung verbringen werden muß; eine Prüfung, von der ich heute morgen noch nichts wußte. Aber auf die Art wurde mir wenigstens nicht das letzte Wochenende versaut, und das ist doch auch was wert, gell?

 

Jetzt werd ich noch ein bißchen die Seele pflegen, bevor's in die Probe geht.

 

Liebe Grüße aus dem überraschenderweise (und hoffentlich dauerhaft) sonnigen Lissabon

 

von Euerm Anderl