Von der Genesis, gutem Essen und der Völkerverständigung

(gesendet am 20. January 2009)

Guten Abend miteinaner,

jetzt hätt ich vor lauter Arbeit fast den Newsletter dieser Woche vergessen. Momentan bin ich ziemlich am Rotieren, weil jetzt im Januar zwei Abgabetermine für Publikationen sind, und die Sachen wollen ja auch geschrieben werden. Die Vorlesungen haben auch schon wieder begonnen, und zu allem Überfluß hagelt es jetzt gerade Vorschläge und Ideen, was ich alles in meiner Arbeit machen könnte. Eigentlich alles höchst positive Dinge, aber dabei kommt halt irgendwie das Privatvergnügen zu kurz.

Und um diese letzte Aussage gleich mal wieder auszutarieren, hier die Highlights der letzten Woche. Nachdem der Probenbeginn in der Bigband auf Anfang Februar verlegt wurde, hab ich am Mittwoch Duarte zu einem Vortrag bei den Jesuiten begleiten können. Es ging darum, wie das, was in der Genesis steht, mit der wissenschaftlichen Theorie zur Entstehung des Universums zusammenpaßt. Es war höchst spannend, und der Referent hat sich irgendwie darauf bezogen, daß die Dinge nicht erschaffen wurden, sondern daß in der Genesis steht, daß die Dinge voneinander getrennt wurden. Leider hab ich viel nicht mitbekommen, weil das alles auf Portugiesisch ablief. Auch deswegen war es spannend: Einmal zu sehen, wieviel ich im Ernstfall mitbekomme. :-)

Diesmal war mein Wochenende komplett ereignislos, weil ich es programmmierenderweise zu Hause vorm PC verbracht hab, aber am Montag war das Neujahrsessen des Dynamical Systems and Ocean Robotics Laboratory, und das war dann der Ausgleich. Marco hat das in einem mosambikanischen (keine Ahnung, ob das jetzt richtig ist) Restaurant organisiert, weil wir anderen ihn so beneidet haben, als er im Januar braungebrannt vom Heimaturlaub zurückgekommen ist. Das Essen war echt klasse, jedenfalls auf meinem Teller. Shrimps in Kokossoße. Von den anderen waren einige nicht so begeistert, was ich aber darauf zurückführe, daß sie halt das verkehrte bestellt haben.

Noch was übers Essen: Heut nachmittag bin ich gewissermaßen von Nelson und Ricardo zur Kaffepause entführt worden, und hab mir einen Bolo de Berlim aufs Auge drücken lassen. Und dann ebenso mühevoll wie mehr oder weniger ergebnislos versucht, ihnen zu erklären, daß die Trümmer in Bayern Krapfen heißen und eigentlich was ganz was anderes sind als Berliner. Manchmal ist das echt mühselig. Aber ich versteh langsam, daß Deutsch genauso schwierig ist wie Portugiesisch. Für mich hört sich avó und avô immer noch manchmal gleich an, und für die werten Kollegen sind es so Wörter wie schön und schon oder Nachricht und narrisch. Fruchten tuts vor allem mit den wirklich lebensnotwendigen Dingen: "Servus!" funktioniert schon tadellos, "Pfiad Di" auch beinahe, "08/15" wird korrekt angewandt und neuerdings wissen sie auch, was ein "Wiedergutmachungsschnitzel" ist. Mission erfüllt, tät ich sagen. Selbst wenn's die Doktorarbeit nicht mal tangiert, kann ich mir schon auf die Fahnen schreiben, zur Völkerverständigung beigetragen zu haben. Nur mit dem Übersetzen der für meine Leute hier noch unverständlichen Textpassagen von JBO und den Toten Hosen tu ich mich einigermaßen schwer...

So, das wars wieder für heute. Ich wünsch Euch eine schöne Woche und meld mich nächsten Montag wieder.

Liebe Grüße aus dem nassen Lissabon ins kalte Heimatland,

Euer Anderl