Und heute mal aus Irland.

(gesendet am 9. April 2008)

Liebe Leser der kgl. bayer. Heimatpost,

als Ihr Auslandskorrespondent möchte ich mich an dieser Stelle einmal so richtig für Ihre treue Anhängerschaft bedanken. Um mich noch eingehender mit Ihnen allen zu sozialisieren, habe ich tapfer den beginnenden Sommer in Lissabon mit seinen freitäglichen 28 Grad hinter mir gelassen, um weiterhin den von der Heimat gewohnten Witterungsbedingungen zu trotzen. Auch im Hinblick auf die sicherlich für einige von Ihnen neidvoll beachteten Fotos des Reiseberichts aus Girona habe ich es auf mich genommen, mich nunmehr live aus Lake Killaloe zu melden.

Ebenso malerisch wie eintönig zwischen den grünen Hügeln Mittelirlands gelegen, hat Lake Killaloe all das zu bieten, was sich der abenteuerlustige Tourist von einem typischen irischen Kleindorf erwartet: Kleine Gäßchen, Linksverkehr, und alle zwei Meter ein Pub, wo sich die einheimische Bevölkerung mit zufällig vorbeikommenden Besuchern mischt und diesen bei ein paar Pints Guinness und ein paar Runden Darts schnell vergessen läßt, worin doch gleich wieder der Grund seines Besuchs bestand. Das ruhige Landleben wird gelegentlich davon unterbrochen, daß ein Schaf vor Langeweile schlafend umfällt, und die dumpfen Schläge, die deshalb über die heimeligen Hügel hallen, zeigen eindrucksvoll, wie weit ab vom Schuß man doch in Wirklichkeit ist.

Ebenso aufregend wie das Dorfleben stellt sich die Anreise selbst dar: Nach mehreren Stunden Aufenthalt auf dem Flughafen in Lissabon, zärtlich umsorgt von Kassiererinnen der zahlreich vorhandenen Duty-Free-Shops, hebt man ab und schwebt sanft durchrüttelt dem Städtchen Dublin entgegen, und nur der Schlag beim Aufsetzen des Flugzeugs, der an Papierflugzeuglandungen aus der Grundschule erinnert, hebt einen lange genug aus den Träumen vom ewigen Grün, um sich in die Aufenthaltshalle zu schleppen. Wiederum versorgt von Kassiererinnen, die bereits mit von Lokalkolorit geprägtem „Hya there, guys“ den Gast willkommen heißen, wartet man nun einige Zeit auf den Bus, der die Verbindung zum Bahnhof darstellt, wo man dann wiederum wartet; diesmal allerdings in der Gaststätte. Nach einem Motorschaden an der Lok setzt man dann das Warten auf der Eisenbahnstrecke fort, wo man außerdem den Schneeflocken beim Treiben zusehen kann.

Schließlich nach ermüdenden 14 Stunden am Zielort angekommen, sinkt man im ungeheizten Trakt des Hotels in einen von Erschöpfung geprägten Schlaf, um sich am nächsten Morgen mit einem klassischen Frühstück gebackener Bohnen wecken zu lassen. Das vorläufige Endergebnis der Reise: Irland ist Grün, auch wenn man auf den ersten paar Kilometern den Eindruck bekommt, daß das nur an den ebenso lackierten Flugzeugen, Bussen, Postkästen und Eisenbahnen liegt. Irland ist auch schön, sobald das Grün des Lacks vom Grün des Grases abgelöst wird. Und Irland ist ein kleines bißchen verschlafen, aber die Leute sind unheimlich nett und das Bier ist gut, und das will was heißen, weil ich nämlich echt nie Bier trinke.

So, und das war’s auch für heut. Tut mir leid, daß das heut bloß ein Dienstagsnewsletter geworden ist, aber ich hoffe, Ihr hattet so viel Spaß, ihn zu lesen, wie ich ihn zu schreiben. ;-)

Ciao ciao bambinos (und das ist jetzt weder irisch noch portugiesisch -- hier auf der Konferenz laufen mehr Italiener rum wie in Rom, und ich dachte, ich paß mich mal an).

Euer Anderl