Es wird feucht

(gesendet am 27. November 2007)

Servus Ihr alle,

irgendwie merk ich jetzt auch langsam, daß der Winter einkehrt. Ich mein, abgesehen davon, daß es jetzt sogar ab und zu regnet und am Morgen die Temperaturen frische 10 bis 15 Grad haben, werd ich jetzt richtig träge -- und die Heimatpost kommt immer später. Naja, solang's noch der Montag ist, gell? :-)

Der Montag. Letzte Woche hat es ja wirklich runtergeschüttet, was nur grad möglich war, aber bis auf ein paarmal Nieseln war das an den anderen Tagen der letzten Woche nicht so. Im Gegenteil, es ist jetzt sogar wieder richtig schön geworden, und der Nebel über dem Tejo reißt manchmal komplett auf und bietet eine wunderbare Aussicht auf den komplett konturlosen Horizont. Das ist mir letzte Woche erst aufgefallen, was eigentlich so komisch ist an dieser Aussicht -- alles ist so flach! So ein paar Alpen, das ist es, was hier der Kulisse noch zur Perfektion abgeht!

Diese Woche hab ich wieder mal einen beinahe zweitägigen Kampf mit den Windmühlen der portugiesischen Bürokratie ausgefochten, und das, was mich echt zur Verzweiflung treibt, das ist das paragraphenreiterische Gehabe von "offizieller" Seite, gepaart mit dem "ah, halb so schlimm, des guid scho" Gehabe von den Leuten, die was zu sagen haben, auf der anderen Seite.

Tja, von der viechzeugsverseuchten Mistbude, die ich vorher gehabt hab, hab ich den Vermieter jetzt diese Woche endlich getroffen und nach einem recht häßlichen Gespräch wenigstens einen Teil meiner Kaution wieder zurückbekommen. Ah bah, ich mag da nimmer drüber reden; bin froh, daß des mistige Kapitel endgültig abgeschlossen ist.

Der Samstag war ebenso ereignis- wie der Lissaboner Horizont konturlos: Schaufensterbummel. Schuhe in Größe 46 hab ich dabei keine gefunden. :-) Der Sonntag war dafür echt klasse; ich war mit Oliver in Belém, wo wir nach einem vergeblichen Versuch, uns mit deutschen Zeitungen einzudecken, im Kulturzentrum zu Mittag gegessen (bacalhau -- natürlich *grins*) und dann das Hieronymuskloster angeschaut haben. Die berühmten Pasteis de Belém wollten wir dann auch noch haben, aber nachdem da gerade die Speisung der Fünftausend (Originalton Oliver) ablief, haben wir uns darauf vertagt, mal dort an einem Samstagmorgen zu frühstücken. Ach, ist das schön, mal wo nicht mit den Touristenhorden überall durchzumüssen, sondern denen mal ausweichen zu können!!!

Von dem heutigen Montag gibt's gar nichts zu vermelden, was es wert wäre, es niederzuschreiben. Naja, ich hab jetzt eine Seite von Portugal kennengelernt, die ich hasse: Die Erziehung. Hier werden Jungen total verhätschelt, während die Mädchen den ganzen Haushalt schmeißen dürfen. Beispiel: Am Sonntag hab ich mit der Cristina zusammen einen recht schweren Ikea-Schrank in den zweiten Stock geschleppt, während Pedro sich vor den Fernseher gefläzt und von seiner Mama die Hemden hat bügeln lassen. Ja Leut, so geht's fei ned! Da hab ich mich schon arg zsammreißen müssen, den Hausfrieden nicht sauber in Schräglage zu bringen! Weil die Cristina zudem auch noch zwei Köpfe kleiner als ich und ziemlich zierlich ist. Aber das ist typisch portugiesisch. Wenn es was zu putzen gibt, ist auch immer sie dran, wenn es nach ihrer Mutter geht. Jedenfalls bin ich froh, wenn diese, was auch immer sie wohl zu erledigen hat, erledigt hat und wieder abzieht ins Alentejo. Ach ja, natürlich wohnt die Mutter bei Pedro im Zimmer und nicht bei Cristina. Bei Cristina wohnt der Pudel. Zwar ein recht liebes Viech und die Cristina hat die Pudeldame auch wahnsinnig gern, aber ich möcht den vorhergehenden Satz mal so stehen und auf Euch wirken lassen. Ich find's pervers, ohne Schmarrn!

Puh.

Ah, nach diesem letzten Absatz brauch ich noch was Erfreuliches zum Aufhören: Nächste Woche gibt's wieder einen Newsletter!!!

;-)

Têm uns boas dias!

Euer Anderl