Eine Taufe und Einbürgerungsbemühungen

(gesendet am 25. October 2011)
Guten Abend,
 
da ich im Zuge meiner Einbürgerungsbemühungen darum bestrebt bin, Dinge möglichst lange ruhen zu lassen, bevor ich sie dann doch nicht mache, muß ich wohl kurz in Erinnerung rufen, worum es hier geht. Dies ist die Heimatpost Eures Exilreporters André José Caseirinho mit den nur drei Monate verspäteten neuesten Nachrichten aus Portugal. Die Namensänderung ist auch der Erwartung geschuldet, daß das Einwanderungsbüro eventuell meine Heimatpost liest, und eine ziemlich wortgetreue Übersetzung.
 
Was gibt’s Neues? Mein erstes Journal-Paper ist endlich fast fertig, und die Arbeit läuft phantastisch. Gerade überlegen Melli und ich, wie wir wohl selbst drei Unterwasserroboter bauen können, eventuell mit Lego Mindstorms, damit ich meine Feldversuche selbst durchführen kann. Gewisse einigermaßen irritierende Ereignisse während der letzten wöchentlichen Teambesprechung legen nämlich nahe, mich am besten nicht mehr der Illusion hinzugeben, auf laboreigener Ausrüstung Feldversuche durchführen zu können.
 
Abgesehen davon ist aber wirklich alles perfekt hier. Vor zwei Wochen haben wir unsere kleine Anna hier in der Deutschen Evangelischen Kirche Lissabon getauft, und zwar in Tracht und mit einem großen Grinsen im Gesicht. (Siehe auch Paulos Blog unter [  http://planetportugal.blogspot.com/2011/10/taufe-von-anna-gabriele.html ].) Überhaupt legt die kleine Freche sauber zu: Seit 11 Tagen hat sie ihren ersten Zahn, ist bei einem europaweiten Fotowettbewerb vertreten [ http://de.news.yahoo.net/secrets-of-photography/ansehen/42115 ], und süchtig nach Brezen. (Wodurch man mal wieder sieht, daß Heimatverbundenheit vererbbar ist. Oder in anderen Worten: Nachdem die bayerische Verfassung die bayerische Staatsbürgerschaft nur durch Geburt, Legitimation (ohne Erklärung dessen, was das wohl heißen könnte), Heirat oder Einbürgerung definiert, deuten die vorherrschenden Tatsachen darauf hin, daß das vielleicht ein Defizit sein könnte. Jedenfalls was meine Tochter angeht. Es sei denn, dieses dubiose Wörtchen „Legitimation” meint Staatsangehörigkeit im Ausland geborener Bayern aufgrund von Brezensucht.) Mehr der visuellen Berichterstattung gibt es unter [ http://www.informagic.org/Modules/Articles/ShowArticle.aspx?ID=59 ] zu bewundern.
 
Letzten Freitag gab es ein Pfarrerkabarett in der Deutschen Schule, das schlichtweg umwerfend war. Akkurat und auf den Punkt genau getroffen, wie auch die Einführungsworte von Frau Dr. Käßmann, die dieses Wochenende unserer Kirchengemeinde anläßlich des Jubiläumsjahres einen Besuch abgestattet hat.
 
Soviel Zeit ist seit der letzten Ausgabe vergangen, daß Melli mittlerweile ihre Masterarbeit abgegeben hat und sich auf ihre Verteidigung vorbereitet. Kurz vor der Abgabe waren wir ein Wochenende lang auf der Quinta von Mellis Professorin zu Gast und dadurch endlich mal wieder auf dem Land draußen. Bleibt nur zu hoffen, daß wir bald wieder rauskommen, bevor die Regensaison beginnt. Den ersten Regen hatten wir schon, und nächstes Wochenende müssen wir ein paar Isolierungsarbeiten an der Wohnung vornehmen, bevor es wieder feucht wird.
 
Abgesehen davon gibt es nur noch zu sagen: Ich hab keine Ahnung, wann es wieder eine neue Ausgabe geben wird. Material wäre genügend vorhanden, und sei es auch nur, um ein paar tolle Fotos von der Anna zu veröffentlichen, aber meistens schaff ich es nur noch, nach der Arbeit in den Keller zu gehen, um Trompete zu üben, dann die Anna ins Bett zu bringen und im Anschluß auf dem Sofa zu kollabieren.
 
Ach ja, eins noch: Nachdem die Frage nach der noch verbleibenden Verweilzeit in der Diaspora in letzter Zeit häufiger aufgetaucht ist: Ich darf frühestens am 6. Januar 2013 meine Arbeit abgeben (und warum das dann erst der Fall ist, will ich gar nicht erörtern, weil das der Blutdruck nicht mitmacht), und nach den Ereignissen von letzter Woche (siehe oben) lege ich alles darauf an, auch bis dahin fertig zu sein.
 
Com os meus melhores cumprimentos,
 
André José Caseirinho (alias Euer Anderl)