Der Nebel hat uns wieder fest im Griff

(gesendet am 14. December 2010)

Servus beinand!

Nach dem ebenso überraschenden wie angenehmen, aber angesichts der Jahreszeit auch bisserl irritierendem Wärmeeinbruch vor einer Woche hat uns jetzt zumindest ein Aspekt des Lissaboner Winters wieder eingeholt: Der Nebel. War er gestern in der Früh schon so dicht, daß das Kondenswasser in Strömen von den Autos floß, legt er jetzt nochmal eins drauf. Von meinem Arbeitsplatz im achten Stock auf einem der sieben Hügel Lissabons, von dem aus ich normalerweise an guten Tagen bis auf die andere Flußseite sehen kann, kann ich gerade noch nicht einmal den Boden sehen. Und die Straßen ums IST herum kann man gerade noch so am Verkehrsgeräusch ausmachen. Es ist fast wie im Winter daheim, nur daß ich schon sehr viel lieber a bisserl an Schnee hätt anstatt des feuchten Nebels.

Letzte Woche ist wieder was passiert, bei dem ich mich frage, ob ich lachen soll oder weinen, oder einfach nur den Kopf schütteln. Da gehen monatelang von der Verwaltung und den diversen Sekretärinnen und Koordinatoren Nachrichten hin und her, in denen genau steht, was wann wo passieren muß, und dann liegen wichtige Terminsachen wochen-, nein, auch monatelang auf einem Schreibtisch herum. Wenn man dann nachfragt, was los ist, kann man die ganze Kommunikationskette der Reihe nach abklappern, nur um dann festzustellen, daß derjenige, bei dem es hängt, einfach fünf Zeilen in eine eMail hätte schreiben müssen, und das im Oktober schon, und mit vorherig versandter Anleitung.

Na gut, ich laß mich nicht unterkriegen. Jedenfalls noch nicht. Aber ich kann Euch sagen, daß die Stimmung Ende letzter Woche schon gewaltig gereizt war, und das nicht nur bei mir.

Auf der anderen Seite gibt’s auch schöne Sachen, zum Beispiel die Tatsache, daß ich endlich wieder aktiv werden kann mit der Trompete. Dadurch, daß die Wohnung fast ganz fertig ist und wir schon einen großen Teil davon bewohnen, ist wieder Zeit für andere Dinge. Und vor allem natürlich Mellis wachsender Bauch, an dem man jetzt nicht nur spüren, sondern auch sehen kann, daß sich da drin ein kleines Zwergerl dehnt und streckt und auch herumtobt.

Viele liebe Grüße aus Lissabon, und eine schöne Woche ohne Ärger aber mit viel Erfolg,

Euer Anderl