Nochmal zum Wetter

(gesendet am 7. December 2010)
Grüß Gott zusammen,
 
weil wir uns in der Vorweihnachtszeit kaum noch aus den Haus trauen, da die Leute in ihrer Einkaufswut förmlich außer Rand und Band sind, hab ich das Material von zwei Wochen gesammelt, um einen Newsletter zustande zu bringen. Eigentlich wirklich bemerkenswert waren zwei Erlebnisse von letzter Woche, eines, das unser Wohnzimmer, eine ältere Dame und einen Pudel betrifft, und ein anderes, das von meinem Professor, der im September eingereichten „Canditatura”, ein paar fehlenden Vorlesungen und der IST-Verwaltung handelt. Allerdings haben Melli und ich mittlerweile beschlossen, ein zweisprachiges Buch mit dem vorläufigen Titel „Schön war es bei Euch, oder: Warum wir auch ganz gerne wieder heimgehen” zu veröffentlichen, und diese Erlebnisse könnt Ihr dann dort nachlesen, zusammen mit einem Haufen anderer, die ich Euch zugegebenermaßen über die letzten Jahre vorenthalten habe, weil sie für die Heimatpost schlechterdings ungeeignet sind.
 
In den vergangenen zwei Wochen haben wir Naveen in seine neue Stelle in der Nähe von Paris verabschiedet, ich hab am ersten Advent im Chor gesungen, und am Feiertag gearbeitet (in Portugal ist am ersten Dezember „Restauração da Independência”). Außerdem haben wir mittlerweile in der Wohnung so viel Platz, daß wir am Samstag Simone und Nelson einladen und quasi eine inoffizielle Einweihung mit auf dem eigenen Pizzastein gemachter Pizza und hinterher einem Bolo do Rei (dem portugiesischen Äquivalent zum Stollen) feiern konnten. Und am nächsten Tag haben wir mit Apfelstrudel und Mara als Gast auf der Durchreise gleich weitergemacht. (Verzeiht, daß ich das Essen, das Euch vermutlich recht banal vorkommen muß, so hervorhebe, aber für uns hier ist das jedes Mal ein Großereignis, wenn wir heimatliche Kost genießen.)
 
Weiters hervorzuheben gilt das Wetter: Letzten Samstag hab ich auf dem Weihnachtsmarkt am Palácio da Pena in Sintra wieder Trompete gespielt, und diesmal haben die Temperaturen tatsächlich zum Glühwein gepaßt. Es war so kalt, daß das Öl in den Ventilen sulzig wurde, und das ist für die Gegend um Lissabon schon eine Leistung. Leider hat es aber nicht geschneit dazu, sondern bloß geregnet. Und am nächsten Tag war es um gute 15 bis 20 Grad wärmer mit knapp unter 100 Prozent Luftfeuchtigkeit, keiner weiß, warum, und was zu absonderlichen Phänomenen geführt hat: Der Spiegel im Bad war den ganzen Tag lang beschlagen, und Kondenswasser ist von den Fliesen im Bad und der Wand im Eßzimmer regelrecht geströmt, und zwar nicht nur bei uns, sondern bei jedem, mit dem wir hinterher darüber gesprochen haben, und diese Gruppe von Leuten ist doch recht über die Stadt verteilt. Und abends hat es hier geregnet, als ob der Atlantik überlaufen würde; die Treppe vorm Haus war unpassierbar vor Wassermassen, und das, obwohl wir auf einem Hügel wohnen und das Wasser sehr gut ablaufen kann.
 
Außer dieser Erinnerung an Madeira gibt es momentan nichts Neues. Heute abend ist wieder eine Probe angesetzt, damit wir die Baßarie aus Bachs Weihnachtsoratorium am 19. Dezember gut hinbekommen (und keine Sorge: Ich singe nicht, sondern bin mit der Pikkolotrompete dabei). Und morgen ist wieder ein Feiertag, diesmal wegen der „Imaculada Condeição”.
 
In diesem Sinne: Gehabt Euch wohl, und bis zum nächsten Mal,
 
Euer Anderl