Es hat sich ausgesommerpaust

(gesendet am 10. October 2010)
Servus alle miteinander,
 
lang, lang ist’s her, daß ich mich bei Euch gemeldet hab. Die Sommerpause ist länger geworden als angenommen, und das hat so viele Gründe, daß ich die nicht im Einzelnen erläutern werde. Zweieinhalb Monate sind jetzt draus geworden, und es wird allerhöchste Eisenbahn, daß ich lange vernachlässigten Pflichten nachkomme und wieder mit dem Schreiben beginne. Heute morgen hab ich damit angefangen, meine privaten eMails abzufragen, zum ersten Mal seit drei Wochen, und war mit einem Berg von sage und schreibe 203 ungelesenen Nachrichten konfrontiert. Die sind mittlerweile runter auf 23, und wo ich doch gerade ein bißchen Luft habe, will ich mich mal um Euch als meine Zuleserschaft kümmern.
 
Womit haben wir hier den Sommer verbracht? Ihr könnt Euch sicher sein, daß wir nicht auf der faulen Haut gelegen sind. Überhaupt sind wir wenig gelegen; es gab und gibt so viel zu tun, daß wir dazu nicht allzuviel Zeit hatten. Wenn ich mich recht entsinne, waren wir zweimal am Strand, und das waren dann eher Notfallmaßnahmen, weil einem von uns die Decke auf den Kopf gefallen ist. Am meisten Zeit nimmt es immer noch in Anspruch, nicht in unsere neue Wohnung zu ziehen. Dort sind wir zwar seit Juni gemeldet, aber fortwährende Verzögerungen verhindern immer noch den Einzug. Mittlerweile wohnen wir, zum dritten Mal in Folge, bei Freunden. Jedenfalls sei Euch hiermit unsere neue Adresse mitgeteilt: Wir wohnen zwar immer noch im Stadtteil São Jorge de Arrois, aber nun direkt in dem Eck, das an Penha de França und Anjos angrenzt. Also weiter südlich für alle nicht hier ansässigen. Wer uns schreiben möchte, tut das also nun bitte an
 
Melanie & Andreas Häusler
Rua Cidade de Liverpool Nº 2
cave esq.
1170-097 Lisboa
Portugal
 
Außerdem, und das ist noch wichtiger als die neue Adresse, hab ich Euch noch nicht erzählt, daß wir nun einen Grund haben, den vormals als Arbeitszimmer geplanten Bereich in unserer Wohnung mit bunten Figuren zu bemalen und den Schreibtisch durch ein Gitterbett zu ersetzen. Mellis Bauch wächst unaufhaltsam, und die Halbzeit haben wir schon rum. Damit wäre dann auch erklärt, warum ich die Teilnahme am diesjährigen Workshop auf der wunderschönen Azoreninsel Faial ausfallen hab lassen. Wer sich noch daran erinnert: Dort war ich vor zwei Jahren schon einmal (siehe http://www.informagic.org/Modules/Newsletters/ShowNewsletter.aspx?ID=53).
 
Die Abwesenheit an diesem Ereignis hat mich aber in die lage versetzt, an Nelsons Junggesellenabschied teilzunehmen (hab ich in der letzten Ausgabe geschrieben; siehe http://www.informagic.org/Modules/Newsletters/ShowNewsletter.aspx?ID=128), und das ist ja auch was wert. Ach ja, und ich war fit genug, mir übers Internet die Radiosendung zur Eigenstaatlichkeit Bayerns anzuhören, die am Tag nach der vermeintlichen Rückkunft ausgestrahlt wurde – ein Unterfangen, das schlechterdings unmöglich gewesen wäre, wie die Arbeitsintensität vor zwei Jahren gezeigt hat (zu entnehmen unter http://www.informagic.org/Modules/Newsletters/ShowNewsletter.aspx?ID=54).
 
So, und seither haben wir unser Auto zum portugiesischen TÜV gebracht, um die Einzelabnahme zu erhalten, die wir für die hiesige Straßenzulassung benötigen. Ich war für einen Tag in Southampton, nur, um mir eine richtig fiese Magenverstimmung beim Pompadom Express zu holen, der angeblich zu den Top-100-Curry-Restaurants in Großbritannien gehört, und von der Projektleitung zum Ort des Abschlußessens von FREEsubNET erkoren wurde. Ich hab im Kirchenchor brilliert als einziger Baß, was unglaublich positiv fürs Ego war. Ich hab António, meinen Doktorvater, allein auf die Konferenz nach Lecce (Italien) geschickt, um dort mein Paper vorzustellen; dasjenige, von dem ich so oft in diesem Jahr schon geschrieben habe. Wir waren beim Ultraschall und Frauenarzt, und der nächste Fototermin von unserem Nachwuchs steht jetzt bevor. Wir sind von der WG ins Pfarrhaus, dann zu Nelson und schließlich zu Jonas gezogen, weil wir ja eigentlich dachten, im August noch umziehen zu können. Wir haben gelacht, gewitzelt, geheult und mit den Zähnen geknirscht und uns danach im Spa in Sintra erholt. Melli läßt sich seit zwei Wochen von unserem Baby im Bauch kitzeln und findet, daß wir ein recht lebhaftes Kind bekommen. Die Mehrheit unserer Wochenenden haben wir getrennt verbracht; ich am Institut und Melli in den Olivenbaumkronen in Beja. Ich war eine gute Woche auf einem Marinerobotik-Workshop in Kroatien und habe dort nicht nur die exzellenten Lerninhalte von Unterwasserbiologie über Unterwasserarchäologie bis hin zu „Marine Security“ (halt Unterwasserminenentsorgung) genossen, sondern auch die bildreife Kulisse und das unglaublich türkisblaue und transparente Wasser. Wir haben Oliver mit einer letzten gemeinsamen Motorradtour in seine neue Stelle nach Santiago de Chile verabschiedet und seinen Pflanzen eine neue Bleibe gegen. Ich hab mich nach drei Jahren (!!!) endlich am IST um eine Doktorandenstelle bewerben dürfen und erwarte nun, jeden Augenblich meine Einschreibung feiern zu dürfen. Ich habe einen Antrag auf ein eigenes EU-Projekt eingereicht, und beim Schreiben enorm viel über meine wissenschaftliche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gelernt und damit das für mich persönlich wohl wertvollste Dokument meiner Promotion bisher geschrieben. Ach ja, und ich hab mir die Haare blau gefärbt, was als Alterserscheinung durchgeht.
 
Ich hoffe, Ihr versteht, wenn ich im vorherigen Absatz keine fettgedruckten Markierungen angebracht habe, weil ich ihn dann gleich komplett so formatieren könnte. Für die, die sonst nur das Dickschwarze lesen: Der Absatz oben war interessant!
 
So, und gerade hab ich ein recht arbeitsintensives Wochenende hinter mir mit Vorbereitungen für eine Veröffentlichung auf dem IFAC World Congress und einigen Skype-Telefonaten mit John und António. Und überhaupt, ganz abgesehen von den obenerwähnten Reisen, könnt Ihr das obige Pensum mit drei multiplizieren, und kommt dann auf die Menge an Arbeit, die wir beide wirklich zu bewältigen haben. Wobei der Gerechtigkeit halber schon gesagt werden muß, daß wir ja nicht die einzigen sind. Was die Sache so unangenehm macht, ist vor allem die Tatsache, daß die meisten unserer Habseligkeiten in Kisten verpackt im Wohnzimmer der alten WG stehen, und wir jetzt halt damit zu kämpfen haben, daß das nicht auf lange Sicht ausgelegt war, und so Sachen, wie sie vor zwei Monaten noch undenkbar waren, nötig werden: Regenschirme vor allem und lange Hosen, die irgendwo drinstecken.
 
Trotzdem geht’s uns gut, auch wenn Melli ständig mehr wiegt und ich auch mit der sogenannten „Solidaritätsschwangerschaft“ zu kämpfen habe.
 
Recht viele liebe Grüße aus dem tiefsten Westen Europas, wo die Bürgersteige weiß sind und die Straßen nicht ganz so.
 
Euer Anderl
 
P.S.: Ein paar Fotos hab ich auch für Euch; Ihr könnt sie Euch unter http://www.informagic.org/Modules/Articles/ShowArticle.aspx?ID=56 zu Gemüte führen.