Verwaltungsgeschichten auf deutsch

(gesendet am 23. June 2010)
Servus zusammen!
 
Letzte Woche ist hier etwas ziemlich Ungewöhnliches passiert: Ich bin von der Verwaltung positiv überrascht worden! Nachdem vor vielen Monaten ein Reisekostenscheck geplatzt ist, weil mein Nachname auf dem Scheck mit „au“ geschrieben war, aber mein Bankkonto dort ein „aeu“ enthält, mußte ein riesiger Verwaltungsapparat anlaufen, um mir die Reisekosten nebst Strafgebühren der Bank zurückzuerstatten. (Natürlich kann man sich auch fragen, warum das überhaupt passiert ist, und wieviele hunderte Kunden die Caixa Geral wohl hat, die alle so ähnlich heißen wie ich – in anderen Worten: War das überhaupt nötig?) Jedenfalls war ich dann über Monate hinweg regelmäßig bei den Leuten von der Schatzkammer, um nach meinem Ersatzscheck zu fragen. Den habe ich letzte Woche endlich erhalten (die betreffende Reise war Anfang Februar, und im April ist der Scheck geplatzt), allerdings wieder mit dem gleichen Schreibfehler. Also bin ich anstatt zur Bank wieder zurück zur Schatzkammer, um denen zu erklären, was jetzt passieren wird. Das wiederum hat dann eine Dame mitbekommen, die eigentlich nicht für den direkten Verkehr mit den Angestellten verantwortlich ist, aber mein nicht gerade akzentfrei gestottertes Portugiesisch zum Anlaß genommen hat, mir auf Deutsch weiterzuhelfen! Was mich jetzt daran so erfreut: Normalerweise tut man sich hier am Institut schon schwer, einen Verwaltungsangestellten zu finden, der Englisch spricht. Und dann natürlich auch noch der Überraschungseffekt, den sie bei mir wie auch bei ihren Kolleginnen ausgelöst hat; wir haben uns alle nur noch mit offenem Mund angeschaut.
 
Ansonsten war die Woche freizeitmäßig geprägt von viel Eis, auch in der angeblich besten Eisdiele Lissabons mit ausgefallenen Sorten wie extra dunkler Schokolade (hab ich das schon gesagt?), viel Herumgerenne auf den Behörden, vor allem von Melli, und einem Gecko im Wohnzimmer. Hoffentlich kommt der öfter vorbei, damit sich das Mückenproblem löst. Am Freitag um halb sechs haben sich meine Profs zum ersten Mal das Paper angeschaut, das eigentlich eine Woche vorher hätte abgegeben werden sollen, und das sie ja erst seit 23. Februar auf dem Schreibtisch liegen haben. Natürlich gab es dann jede Menge Unzufriedenheit (ist ja klar, wenn die das vorher nie gelesen haben), so daß ich dann bis um zwei Uhr noch daran herumgebastelt habe – mit dem Ergebnis, daß, entgegen anderslautender Versprechungen am Wochenende mal wieder keine Rückmeldung kam. Dafür habe ich mir aber diese Woche schon wieder zweimal meine Ration Versprechungen abgeholt, daß jetzt alles besser wird.
 
Das war jetzt alles Wichtige, glaube ich. Es gibt viel Arbeit, weil John in einer Woche endgültig nach Colorado zurückgeht, und ich darüber hinaus auch noch das Abschlußprojekt für die Vorlesung anfertigen muß. Allerdings ist es momentan recht angenehm, hier zu arbeiten, weil südafrikanischen Geschehnisse auf den Fernsehschirmen tagtäglich für leere Büros sorgen. (Auf die Gefahr, das zum Politikum zu machen, erlaube ich mir hier einen kleinen Wink mit dem ölverklebten Steigrohr, um der mangelnden Rationalität Einhalt zu gebieten.)
 
Am Samstag haben wir hoffentlich endlich mal wieder Zeit, um an den Strand zu fahren.
 
In diesem Sinne: Viele Grüße und bis nächste Woche,
 
Euer Anderl