Von Wartenden und Zurückgekehrten

(gesendet am 15. June 2010)
Servus an alle dort draußen, die Ihr in Bayern (und Restdeutschland) schwitzen müßt, während wir uns hier die Finger abfrieren!
 
Einen Monat lang hab ich jetzt nicht nur die Heimatpost verzögert, sondern auch noch ein paar andere dringende Sachen. Gestern ist mein „Report No. 11“ fertiggeworden (jedenfalls so, daß mir jetzt nur noch die Kommentare meiner Profs fehlen), und bevor ich mich aufmache, endlich das lange verschleppte Abschlußprojekt meiner letzten Vorlesung in Angriff zu nehmen, widme ich mich ein paar anderen vernachlässigten Pflichten. Zumal – und das ist eigentlich das Schöne an der Sache – sich tatsächlich ein paar Leute gemeldet haben, denen die wöchentliche Statusmeldung aus Lissabon tatsächlich fehlt. (Ah, endlich ein Andreas’sches Geisteskind, das nicht innerhalb weniger Wochen verkümmert. Wenn nur die Doktorarbeit auch solche Aussichten auf Publikumserfolg hätte.)
 
Nach einem einwöchigen Urlaub, dessen zahllose Highlights ein Konzert von Pink und ein gigantisches Grillfest im heimischen Garten beinhalteten, ist meine Melli vergangenen Samstag aus der Oberpfalz zurückgekehrt, um – mit im Handgepäck transportierten zwei Bündeln deutschen Spargels – ihren Ehemann zu verwöhnen. (Schade, daß das hier kein Portugiese liest, nachdem sich Nelson erst am Freitag auf Behzad’s Geburtstagsfeier darüber lustig gemacht hat, daß bei uns keine Feigen wachsen – brauchen wir auch nicht, denn es gibt Spargel!) Üblicherweise kommt bei uns ein Genuß selten allein, und so haben wir dann die Woche auch gleich noch mit einem tollen Schokoladenkuchen von meiner Mama eingeweiht. Mit Sicherheit liegt der vorherrschende Motivationsschub vor allem an diesen kulinarischen Höhepunkten, auch angesichts dessen, daß ich mich in Abwesenheit meiner Frau nur von Schokolade und Keksen ernähren konnte. Und Schokolade.
 
Außerdem haben wir es geschafft, endlich mal das Museu da Electricidade anzuschauen, nachdem ich schon jahrelang dort vorbeifahre. Um auch denjenigen Stimmen Herr zu werden, die sich über mangelnde Belege meiner mangelnden Erlebnisberichterstattung beklagen, habe ich unter http://www.informagic.org/Modules/Articles/ShowArticle.aspx?ID=55 eine kleine Fotoreportage zusammengestellt, voller Spannung, Widerständen und Ampere, und auch viel Kohle ist mit von der Partie. Auf dem Rückweg gab es dann noch ein Eis beim Surf. Der Grund, warum das besonders erwähnenswert ist: Das ist endlich mal eine Eisdiele, die ihre Theke nicht von Nestlé füllen lassen! Entsprechend hervorragend ist das Eis dort auch, mit ausgefallenen Sorten wie extra dunkle Schokolade (wie könnte es auch anders sein?) und ein mit kandierten Früchten bestücktes Tutti Frutti.
 
Mit solchen Erzählungen sollte es den Leser, der noch bei der Sache ist, verwundern, wie ich obige Anrede so formulieren konnte, wie ich es getan habe. Die Tatsache ist aber: Nachdem es zuerst so ausgesehen hat, als ob vor etwa zweieinhalb Wochen endlich der Sommer eingekehrt wäre, sind die Temperaturen vor zehn Tagen um 15 bis 20 Grad unter das Bayernwetter gefallen. Allmählich erholt sich das Ganze zwar, aber man merkt schon deutlich, daß heutzutage überall gespart wird. Wer sich am eher feuchten Klima freut, und in der Spätfolge dann auch an meinen Armen und Beinen, sind die Mücken. Bisher habe ich das noch nicht erlebt in Lissabon, auch nur einmal gestochen zu werden, aber seit ein paar Tagen kann ich mich kaum noch retten. Sämtliche Gliedmaßen sind übersät mit Stichen, und als in meinen eMails eher zur Übertreibung neigender Mensch muß ich extra betonen, daß das die volle Wahrheit ist. Ihr könnt gerne bei Melli nachfragen (die im Übrigen bisher von jeglichen Stichen verschont geblieben ist).
 
So, das soll es jetzt gewesen sein. Ein bißchen was muß ich ja doch noch tun heute. Viele liebe Grüße an Euch alle,
 
Andreas