Gesundheitsfragen

(gesendet am 24. March 2010)

Servus beinander,

ein paar Sachen mußten diesmal abgewartet werden, bevor ich Euch die neue Heimatpost zukommen lassen konnte. Und zwar Sachen, die in die gleiche Kerbe schlagen wie die Beispiele von letzter Woche. Allerdings ist alles gut gelaufen, und wir sind glücklich, eine weitere Hürde gemeistert zu haben.

Nach einem relativ anstrengenden Wochenende auf dem Osterbasar (der im Übrigen diesmal damit endete, daß wir die Bücher verschenkt haben -- ich frag mich, wie wir das noch übertrumpfen wollen) beschlossen wir nämlich, daß wir noch eins draufsetzen und uns ein paar Impfungen im Centro da Saúde wollten. Dazu muß man sagen, daß wir es schon vorige Woche am Donnerstag dort probiert haben. Nach erheblicher Wartezeit kam dann raus, daß wir uns erst einschreiben müssen, und es haben mal wieder Dokumente gefehlt. Die haben wir gestern dort vorbeigebracht mit der schon erwarteten Reaktion, daß diese Dokumente nicht ausgereicht haben, wir zusätzliche Nachweise brauchten, und das Ganze im Grunde genommen eine völlig neue Variante an benötigten Unterlagen war im Vergleich zu den Erlebnissen meiner iranischen Kollegen.

Jedoch, und das ist das Tolle daran: Wir konnten die Dame am Schalter umstimmen (oder haben sie halt so lange zugequatscht, bis sie entnervt aufgab, ihren Willen durchsetzen zu wollen), so daß sie uns trotz angeblich falscher und fehlender Zettel eingeschrieben hat. Dieses Gefühl, das einen dann in portugiesischen Behörden befällt, und gerade unglaubliche Erfolgsgefühle in einem weckt, ist durch nichts zu übertreffen. Allerdings schlug diesmal auch Dankbarkeit der Dame gegenüber durch, die sich erweichen ließ, uns Zutritt zu gewähren.

Bemerkenswert ist aber etwas anderes: Sobald man die (von einigen als obligatorisch, von anderen als freiwillig bezeichnete, von uns aber aus irgendeinem Grunde zwingend verlangte) Einschreibung hinter sich hat, bekommt man dort Impfungen umsonst. Ohne daß man krankenversichert sein muß, und es wird noch nicht einmal ein Sozialversicherungsnachweis verlangt. Deshalb fragen wir uns momentan wirklich, wie sich das portugiesische Gesundheitssystem am Leben erhält.

Und der Grund, warum ich erst jetzt schreibe: Die freien Impfungen betreffen augenscheinlich nur Tetanus und Diphterie. Schwierig wird es dann wirklich, wenn man eine andere Impfung möchte, die man vorher selbst mit einem Rezept in der Apotheke gekauft hat. Im Grunde genommen braucht man bloß jemanden, der einem diese Impfung in den Arm spritzt, aber bis das soweit ist, kann man schon mal sechsmal ins Centro da Saúde laufen müssen.

Egal, jetzt ist alles erledigt und das Gesundheitssystem hat uns jetzt auch. Na gut, erstaunlicherweise stört sich keiner daran, daß ich dort als "Andreas Deutsch" geführt bin, weil die gute Frau nicht kapiert hat, daß nicht unbedingt der Eintrag, der am nächsten am Vornamen dransteht, der Familienname ist. Sobald man im System ist, kann man getrost die Vernunft weglassen. Das gilt auch für meinen Impfpaß, auf dem natürlich nicht "Deutsch" als Nachname draufsteht, wodurch sich aber selbst beim Abgleich mit den Patientendaten kein Mensch gestört fühlt.

So, jetzt aber genug davon. Das Wetter ändert sich endlich; es wird wärmer (gestern beim Tanzkurs schon fast zu warm), und wir blinzeln jeden Morgen in der Erwartung des nahenden Sommers in die Morgensonne.

Viele Grüße aus dem aus dem Winterschlaf erwachenden Lissabon,

Euer Anderl