Erste Phase der Assimilation erfolgreich abgeschlossen, tät ich sagen!

(gesendet am 12. November 2007)

Olá todos!

Heut gibt's den Newsletter wieder pünktlich am Montag, auch wenn in der letzten Woche nicht ganz so viel los war, über das zu schreiben es sich lohnen würde. Macht nix; es gibt genügend Füllworte im Deutschen, und im Vorgriff auf meine Dissertation kann ich ja hier schonmal üben, Texte aufzublähen. ;-)

Das allerwichtigste Ereignis zuerst: Ich hab rausgefunden, was bacalhau auf Deutsch heißt! Lacht mich nicht aus, aber ich hab das echt nicht gewußt bis jetzt, und das englische Wort "codfish" läßt halt so gar nix anklingeln bei mir. Jedenfalls hat sich rausgestellt, daß der Fisch, den die Portugiesen (und ich übrigens auch) so lieben, schlicht und einfach Kabeljau ist. Jetzt fragt mich nicht, warum der hier so umwerfend gut schmeckt, aber das ist auf alle Fälle was völlig anderes als in der Heimat.

Die zweite Übersetzung gleich hinterher, und diesmal was zum Schmunzeln: Die Ladenkette, bei der ich am liebsten einkaufe, die heißt Pingo Doce. Und weil ich mich letzte Woche gewundert hab, warum, wenn ich "marmelada" einkaufe, da immer Quittengelee drin ist, hab ich mal ins Lexikon reingeschaut. Jetzt ist es halt tatsächlich so, daß marmelada übersetzt Quittenmarmelade heißt -- ganz wie in England, nur daß halt da "marmelade" für Orangenmarmelade steht. Sowas. Aber das ist jetzt eigentlich nicht das zum Schmunzeln gewesen. Zum Schmunzeln ist, daß ich dann natürlich wissen wollte, was so für das "normale" deutsche Wort "Marmelade" steht, und das ist doce. Und somit heißt diese Supermarktkette nichts anderes als etwa "ein Tropfen Marmelade"! *grins* Ich mag das; die sind echt kreativ, die Portugiesen. ;-)

Meine ersten Muffins hab ich gebacken, seit ich hier bin, und die waren in aller Munde -- erst wortwörtlich und dann hinterher auch nochmal, als das Lob nicht abgerissen ist. Nicht schlecht! Der Anlaß war eine Einladung bei Francesco, wo er uns, also seinen Bürokollegen und, soweit vorhanden, auch deren Frauen und Freundinnen, eine Lasagne aufgetischt hat, und ich hab mich halt dann freiwillig gemeldet, für die sobremesa zu sorgen, also die Nachspeise.

Dieses Wochenende dann war recht relaxed; ich hab mir vorgenommen, mal nicht zu arbeiten, und das auch eisern durchgezogen. Am Samstag hab ich alles zu Hause gelassen, sogar das Handy, und bin nach Cascais, um mich ein paar Stunden an den Strand zu legen. Das hab ich sehr genossen, und wenn mich auch irgendwann der Wind dann wieder nach Hause getrieben hat, so weiß ich doch, daß Euch als Leser aus dem kalten Mitteleuropa der Neid ins Gesicht geschrieben steht, wenn ich Euch sage, daß ich das natürlich nur mit der Badehose bekleidet gemacht hab. *grins* Am Sonntag war's dann ein bisserl frischer, aber immer noch warm genug, um im Jardim de Estrala zu sitzen und ein Buch zu lesen. So hab ich mein Wochenende vertrödelt, ganz ohne Sightseeing. Naja. Ist ja noch Zeit. ;-)

Recht viele Grüße aus Lissabon!

Euer Anderl

P.S.: Eine, eine einzige und winzigkleine Sache gibt es, die mir ein bißchen fehlt (jedenfalls, was das Wetter angeht): Der Schnee. Kaum zu glauben, ist aber so.